Viele Mieter möchten in ihrer Küche eine Dunstabzugshaube nachrüsten, um Kochgerüche und Fett zu reduzieren. Je nach baulichen Gegebenheiten haben Sie die Wahl zwischen Umluft- und Abluftbetrieb. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was Sie beachten müssen, welche Materialien Sie im Baumarkt finden und wie Sie die Montage selbst durchführen können – oder wann ein Fachbetrieb ran muss.

Grundlagen: Umluft- vs. Abluftbetrieb
Bei der Umluft wird die Luft durch einen Aktivkohlefilter gereinigt und zurück in den Raum geleitet. Die Montage ist einfacher, da kein Abluftrohr nach außen benötigt wird. Der Nachteil: Die Filter müssen regelmäßig gewechselt werden (ca. alle 4–6 Monate). Bei der Abluft wird die Luft über ein Rohrsystem ins Freie geführt. Das ist effektiver, erfordert aber einen Wanddurchbruch oder einen vorhandenen Abluftschacht. In Mietwohnungen muss der Vermieter bei baulichen Veränderungen zustimmen. Geräte von IKEA, Siemens oder Bosch sind meist sowohl für Umluft als auch Abluft vorbereitet – oft ist der Aktivkohlefilter separat erhältlich.
Voraussetzungen prüfen: Was ist in Ihrer Küche möglich?
Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Küche einen Abluftschacht hat (z. B. einen Mauerdurchlass aus der Bauzeit). Falls nicht, bleibt meist nur die Umluft. Messen Sie den verfügbaren Platz über dem Herd: Die Haube sollte mindestens auf Höhe der Kochstelle montiert werden (Abstand bei Elektroherd 65–75 cm, bei Gasherd 75–85 cm). Die Breite der Haube sollte der Herdbreite entsprechen (meist 60 oder 90 cm). Achten Sie auf die Unterputz-Steckdose: Oft ist eine Steckdose in der Nähe des Herds vorhanden. Falls nicht, muss ein Elektriker eine neue legen – das ist in der Mietwohnung nur mit Erlaubnis des Vermieters möglich.
Material- und Werkzeugliste für die Montage
Für die Umluftmontage benötigen Sie: Dunstabzugshaube mit Umluftoption (ab ca. 100 € bei OBI, Bauhaus oder IKEA), passender Aktivkohlefilter (ca. 15–30 €), je nach Modell optional ein Umluftkit (ca. 10–20 €). Werkzeug: Akkuschrauber, Bit-Set (Torx, Kreuzschlitz), Wasserwaage, Bleistift, Maßband, Dübel (6 mm oder 8 mm je nach Wand), Schrauben, ggf. Lochsäge für Kernloch (wenn Sie ein Abluftrohr nachrüsten wollen – das gehört aber zum Abluft-Kapitel). Für die Abluftmontage zusätzlich: Abluftschlauch oder Rohr (Durchmesser 100 oder 150 mm, Alu-flex ca. 10–20 € für 3 m), Mauerkasten mit Gitter (ca. 10–20 €), Rohrschellen (2–5 €), ggf. Reduzierstücke, wenn der Haubenanschluss kleiner ist. Ein Kernlochbohrgerät (125 mm) kann man im Baumarkt leihen (ca. 30–50 € pro Tag), aber für die Kernbohrung durch die Außenwand wird in der Regel ein Fachbetrieb empfohlen (siehe Abschnitt unten).
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Umluftbetrieb nachrüsten
1. Packen Sie die Haube aus und legen Sie den Aktivkohlefilter bereit. Manche Hauben haben eine Klappe für den Filter – öffnen Sie diese.
2. Schrauben Sie das Umluftkit (falls erforderlich) gemäß Anleitung zusammen. Bei IKEA-Modellen wie der „LAGAN“ ist oft nur der Aktivkohlefilter (z. B. „FÖRNUFT“) nötig.
3. Markieren Sie die Bohrlöcher: Die Haltewinkel der Haube an die Wand halten, waagerecht ausrichten (Wasserwaage) und die Position der Schrauben anzeichnen. Abstand zur Dunstabzugshaube – die Haube muss genau über dem Herd zentriert sein.
4. Bohren Sie die Löcher (Durchmesser je nach Dübel, typisch 6 mm bei Beton, 8 mm bei Gasbeton). Stecken Sie die Dübel, schrauben Sie die Haltewinkel fest.
5. Hängen Sie die Haube ein und sichern Sie sie mit den Rändelschrauben. Schließen Sie das Netzkabel an die Steckdose an (Stecker ist meist dabei).
6. Setzen Sie den Aktivkohlefilter ein. Achten Sie auf die Pfeilrichtung (Luftstrom). Schließen Sie die Filterklappe.
7. Testen Sie die Haube auf Funktion. Umluftbetrieb ist leiser, aber nicht ganz so effektiv wie Abluft.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Abluftbetrieb nachrüsten (nur mit Fachbetrieb bei Kernlochbohrung)
Wenn Sie einen vorhandenen Abluftschacht haben oder einen Mauerdurchlass nutzen können, ist Abluft die bessere Wahl. Andernfalls muss ein Kernloch durch die Außenwand gebohrt werden – das ist wegen der Brandschutzauflagen und der Statik nur durch einen Fachbetrieb erlaubt. In der Mietwohnung benötigen Sie zudem die schriftliche Genehmigung des Vermieters.
1. Planen Sie die Rohrführung: Der Abluftschlauch sollte möglichst kurz und mit wenigen Bögen verlegt werden (maximal 2–3 Biegungen). Ideal sind starre Rohre aus Kunststoff oder Alu, flexibler Alu-Schlauch geht auch, but kostet Druckverlust.
2. Verbinden Sie den Haubenanschluss (meist 100 mm oder 150 mm Durchmesser) mit dem Abluftrohr. Verwenden Sie Rohrschellen oder Alu-Klebeband. Achten Sie auf Dichtheit – undichte Stellen pfeifen.
3. Führen Sie das Rohr zum Mauerdurchlass. Wenn Sie einen Kernbohrer mieten, bohren Sie von innen mit leichtem Gefälle nach außen (ca. 2°), damit Kondenswasser abfließen kann. Setzen Sie einen Mauerkasten mit Rückstauklappe ein (so kommt keine Kaltluft herein).
4. Dichten Sie den Spalt zwischen Rohr und Mauer mit Acryl oder Mörtel ab. Prüfen Sie die Funktion.
Kostenvergleich: Umluft vs. Abluft
- Dunstabzugshaube (Einbaugerät, 60 cm) – 100–400 € (Umluft geeignet meist ab 100 €, Abluft ab 150 €)
- Aktivkohlefilter (Nachrüstsatz) – 15–30 € (alle 4–6 Monate neu)
- Umluftkit (falls nötig) – 10–25 €
- Abluftschlauch (3 m, Alu-flex) – 15–25 €
- Mauerkasten mit Gitter – 10–20 €
- Rohrschellen und Dichtband – 5–10 €
- Kernlochbohrung durch Fachbetrieb (Wanddicke 30 cm) – 100–200 € (inkl. Mauerkasten)
- Elektriker für neue Steckdose – 80–150 € (falls nötig)
- Gesamt Umluft (Selbstmontage) – 100–150 € (plus Filterkosten alle 6 Monate)
- Gesamt Abluft (Selbstmontage, ohne Kernlochbohrung) – 150–300 € (je nach Rohrlänge)
- Gesamt Abluft (mit Kernlochbohrung durch Fachbetrieb) – 250–500 €
Preise basieren auf aktuellen Angeboten bei OBI, Bauhaus, Hornbach und IKEA. Die Kosten für die Kernlochbohrung variieren je nach Wandmaterial (Beton teurer als Ziegel).
Typische Fehler beim Nachrüsten
- Falscher Filter: Nicht jeder Aktivkohlefilter passt zu jeder Haube – prüfen Sie die Modellnummer.
- Zu geringer Abstand zum Herd: Bei weniger als 65 cm können Kunststoffteile schmelzen; bei mehr als 85 cm sinkt die Effizienz.
- Rohr zu lang oder zu viele Bögen: Verringert die Saugleistung deutlich – maximal zwei 90°-Bögen.
- Undichte Rohrverbindungen: Führen zu Pfeifgeräuschen und Kondenswasser in der Wand.
- Keine Rückstauklappe: Bei Abluft zieht es sonst im Winter kalt herein.
- Ohne Vermietererlaubnis gebohrt: Kann zu Abmahnung oder Rückbaukosten führen.
Wann zum Fachbetrieb?
Folgende Arbeiten sollten Sie nicht selbst durchführen:
– Kernlochbohrung durch die Außenwand (Brandschutz, Statik – unbedingt Fachbetrieb, z. B. Heizungsbauer oder Schornsteinfeger).
– Elektroinstallation: Wenn keine Steckdose in der Nähe ist oder Sie den Anschluss erweitern müssen (lassen Sie einen Elektriker kommen).
– Arbeiten am vorhandenen Abluftschacht: Wenn dieser nicht klar als Küchenabluft zugelassen ist (Gefahr von Rückstau oder Brand).
In Mietwohnungen holen Sie vor jeglicher baulicher Veränderung die schriftliche Genehmigung des Vermieters ein. Sonst drohen bei Auszug Rückbaukosten.
Checkliste für die Nachrüstung
- Vermieter um Erlaubnis fragen (schriftlich, mit Skizze)
- Wandbeschaffenheit prüfen (Beton, Ziegel, Gipskarton – unterschiedliche Dübel)
- Steckdose in der Nähe vorhanden? Wenn nein, Elektriker beauftragen
- Entscheidung: Umluft oder Abluft? (Bei Abluft: Schacht oder Kernloch?)
- Haube ausmessen: Breite, Abstand zum Herd, Höhe über Kochfeld
- Materialliste erstellen und im Baumarkt besorgen (bei IKEA online vorbestellen)
- Bei Abluft: Rohrführung planen (kurz, gerade, nach außen geneigt)
- Werkzeug bereitlegen: Akkuschrauber, Wasserwaage, Bohrer, Dübel, Schrauben
- Montage durchführen (oder Fachbetrieb einplanen)
- Funktion testen (Luftzug, Geräusche)
- Filterwechsel notieren (Datum im Kalender)

