Infrarotheizungen werden oft als effiziente Zusatzheizung beworben – besonders in Altbau-Mietwohnungen mit Heizkörpern, die nicht ausreichen, oder in Räumen, die nur gelegentlich genutzt werden. Dieser Ratgeber richtet sich an Mieter und Eigentümer, die eine Infrarotheizung (IR-Heizung) ergänzend nachrüsten wollen. Kein Hype, sondern konkrete Planung mit realen Materialien, Preisen und Arbeitsschritten aus deutschen Baumärkten (OBI, Bauhaus, Hornbach).

Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
Als alleinige Heizung in einem schlecht gedämmten Altbau ist sie meist unwirtschaftlich – der Stromverbrauch wäre immens. Als Zusatzheizung punktet sie dagegen:
- In Räumen mit niedriger Grundtemperatur (z. B. Wintergarten, Hobbykeller, Gäste-WC)
- Um eine vorhandene Heizung kurzzeitig zu unterstützen (z. B. im Bad für schnelle Wärme)
- In Räumen mit hohen Decken, wo Konvektionswärme nutzlos bleibt
- Für Allergiker – keine Staubaufwirbelung
Leistung richtig dimensionieren
Die Heizleistung wird anhand des Raumvolumens und der Dämmung geschätzt. Faustformel: Für gut gedämmte Neubauten 30–40 W/m³, für Altbau (unsaniert) 60–80 W/m³. Beispiel: 20 m² Bad mit 2,50 m Höhe = 50 m³ → bei Altbau 50 × 60 W = 3000 W. Besser zwei kleinere Paneele (z. B. 2× 1500 W) als ein großes – flexibler.
Reale Paneel-Dimensionen
- 600 W: ca. 60 × 90 × 2,5 cm (oft für Badspiegelheizung)
- 1000 W: ca. 80 × 120 × 2,5 cm
- 1500 W: ca. 100 × 150 × 2,5 cm
- 2000 W: ca. 120 × 180 × 2,5 cm
Im Baumarkt gibt es Paneele von z. B. EBERLE, KÜBLER oder ALBA – Preis pro 1000 W ca. 200–400 €.
Stromkosten realistisch berechnen
Ein 1000 W Paneel läuft nicht durchgehend. Thermostat regelt die Oberflächentemperatur (ca. 90–110 °C). Beispiel: Bad 20 m², Vorheizen 20 Minuten, dann Intervallbetrieb. Im Mittel bei 2 h Nutzung pro Tag: 1000 W × 2 h = 2 kWh/Tag. Bei 30 ct/kWh = 0,60 €/Tag → 18 €/Monat. Das ist überschaubar, wenn nur punktuell genutzt. Dauerbetrieb über mehrere Stunden verteuert sich schnell.
Vergleich: Heizlüfter (1800 W) kostet pro Stunde ca. 0,54 € – IR-Paneel ist ähnlich teuer, aber angenehmere Strahlungswärme.
Montage – Schritt für Schritt
Werkzeug und Material
- IR-Paneel (Leistung nach Bedarf)
- Wandhalterung (meist im Lieferumfang)
- Schrauben + Dübel (für Stein: Fischer DuoPower 6 mm; für Beton: SX 6 mm)
- Bohrmaschine / Schrauber + 6 mm Steinbohrer
- Wasserwaage (60 cm)
- Bleistift, Zollstock
- Optional: Kabelkanal (30 x 15 mm, weiß) und 3×1,5 mm² NYM-Kabel
- Anschlusskabel (mind. H05VV-F 3G1,5) – bei Paneelen mit Stecker meist beigelegt
Arbeitsschritte
- Position wählen: Idealerweise gegenüber der Außenwand (keine Möbel davor). Höhe: Unterkante mind. 30 cm über Boden, Oberkante max. 20 cm unter Decke. Badezimmer: nicht in Spritzwasserzone (IP24 reicht, aber besser IP44).
- Bohrlöcher anzeichnen: Halterung an den von dir gewählten Punkt halten, waagerecht ausrichten, Löcher auf Wand markieren.
- Löcher bohren: Mit Schlagbohrmaschine und 6 mm Bohrer (tiefe ≈ Dübellänge + 5 mm). Staub absaugen.
- Dübel setzen: Fischer DuoPower in die Löcher stecken, leicht eindrücken.
- Halterung anschrauben: Mit den mitgelieferten Schrauben fixieren.
- Paneel einhängen: Rückseite des Paneels auf Halterung schieben – meist Einrastmechanismus.
- Elektrischer Anschluss: Paneel hat ein Anschlusskabel (ca. 1,5 m). Stecker in Schutzkontaktsteckdose stecken. Achtung: Infrarotheizung ab 2000 W besser direkt an Abzweigdose mit eigener Sicherung (B16-Automat) – das erfordert Fachmann! Wir empfehlen, Leistungen über 1500 W fest installieren zu lassen.
- Thermostat einstellen: Manche Paneele haben integrierten Thermostat, andere extern. Sollwerte: Raumtemperatur 20 °C (Nachtabsenkung 17 °C), Oberflächentemperatur 90 °C (niedriger bei Kinderzimmern).
Kostenübersicht (Preisspannen, Stand 2025)
- IR-Paneel 600 W: 120–250 €
- IR-Paneel 1000 W: 180–350 €
- IR-Paneel 1500 W: 250–450 €
- IR-Paneel 2000 W: 300–550 €
- Wandhalterung (Standard): meist inklusive
- Thermostat extern (z. B. Eberle RTR‑E 3571): 30–60 €
- Stecker-Kabel 1,5 m (H05VV-F 3G1,5): 8–15 €
- Kabelkanal 2 m: 5–10 €
- Stromkosten pro Jahr (bei 500 h Betrieb mit 1000 W): ca. 150 €
Typische Fehler
- Zu große Leistung → Dauerndes Ein- und Ausschalten (Takten) verkürzt Lebensdauer, ungemütlich.
- Falsche Positionierung: Hinter Möbeln oder Gardinen blockiert die Abstrahlung – Wirkung stark reduziert.
- Stecker überlastet: Mehrere IR-Paneele an einer Steckdose (z. B. 3000 W über 10 A-Schmelzsicherung) → Brandgefahr. Pro 16 A Sicherung max. 3680 W (ohne Dauerlast).
- Nicht auf Feuchträume achten: Bad-Paneele müssen mindestens IP24 haben, Steckdosen mind. 60 cm Abstand zur Dusche.
- Stecker in Winkelstecker mit Schalter? → Störlichtbogen möglich. Lieber fest installieren.
Wann zum Fachbetrieb?
In folgenden Fällen ist ein Elektriker (Elektrofachbetrieb) zwingend vorgeschrieben:
- Festanschluss (ohne Stecker) – das ist der Regelfall bei Leistungen > 2000 W.
- Anschluss an eine neue Unterverteilung / extra Sicherungsautomaten.
- Arbeiten an bestehenden Leitungen (z. B. Altinstallationen).
- Einbau in Feuchträumen (Bad, Sauna) – hier gelten spezielle Schutzbereiche.
- Wenn die Heizung in Mietwohnung fest installiert wird (Eigentumsübergang).
Die Kosten für den Elektriker liegen bei ca. 80–130 € pro Stunde plus Anfahrtskosten (30–60 €). Montage eines Festanschlusses (inkl. Leitung verlegen) kann 150–400 € kosten.

Checkliste für die Nachrüstung
- Raum vermessen (Volumen in m³)
- Dämmzustand abschätzen (gut/mittel/schlecht)
- Leistung berechnen (W/m³ × Volumen)
- Produkt auswählen (Marke, Größe, IP-Schutz)
- Position festlegen (nicht hinter Möbeln)
- Befestigungsmaterial prüfen (Dübel für Wandart)
- Elektrischen Anschluss klären (Stecker oder Festanschluss)
- Ggf. Elektriker beauftragen (Angebot einholen)
- Stromkosten kalkulieren (voraussichtliche Betriebsstunden)
- Thermostat einstellen (Raum- und Oberflächentemperatur)
- Nach ein paar Tagen Test: Heizleistung ausreichend?
Infrarotheizungen als Zusatzheizung sind eine pragmatische Lösung für spezielle Räume – kein Allheilmittel, aber mit realistischer Planung eine gute Option. Achte stets auf die Elektrik und hol dir bei Unsicherheit Fachrat.
